Die schneereichsten Orte der Erde

Tateyama Kurobe Alpine Route
Der Nordwesten Japans ist bekannt für die knapp 20 Meter hohen Schneewände, die man auf der Tateyama Kurobe Alpine Route durchfahren kann. Bild: Tateyama Kurobe Alpine Route

Finde den schneereichsten Ort der Erde  – Erwartungsgemäß ist das eine ziemliche Herausforderung. Die WMO (World Meteorological Organization), unser erster Anlaufpunkt, gibt keine Rekorde zum Schnee an. Der Grund: Schnee wird weltweit so unterschiedlich gemessen, dass die Messungen nicht vergleichbar sind. So einfach wollen wir aber nicht aufgeben.

Bei unserer Recherche sind wir zunächst auf ein Dutzend angeblich schneereichste Orte der Erde gestoßen. Kurz gesagt war der schneereichste Ort der Erde laut manchen Berichten immer im eigenen Land oder zumindest auf dem eigenen Kontinent. Die meisten davon konnten wir recht bald ausschließen.

Fest steht: Der schneereichste Ort der Erde ist unbewohnt und liegt nicht am Nord- oder Südpol. Vor allem die Antarktis ist einer der trockensten Orte der Erde. Aus meteorologischer Sicht müsste der schneereichste Ort irgendwo in den Bergen an einer Westküste liegen, wo sich feuchte Luft vom Meer staut. Schauen wir uns zunächst die Messstationen an.

Die schneereichsten Messstationen

Die meisten Messstationen weltweit registrieren den akkumulierten Schneefall*. Dabei wird der über ein Jahr gefallene Neuschnee aufsummiert. Dieser Wert ist deutlich höher als die Schneetiefe, da der Neuschnee recht bald zusammensackt. 

Mittelt man den akkumulierten Schneefall über den Zeitraum 1981-2010 (Klimamittel), dann sind diese beiden Stationen die schneereichsten:

Höchster durchschnittlicher akkumulierter Schneefall (1981-2010)
Sukayu Onsen/Japan 17,6 Meter
Paradise Rainier Ranger Station/USA 17,3 Meter
Höchster über 12 Monate akkumulierter Schneefall
Oshirakawa Station/Japan 35,6 Meter (1944/45)
Paradise Rainier Ranger Station/USA 31,1 Meter (1971/1972)

Japan – Die schneereichste Messtation der Erde

Im Nordwesten Japans staut sich feuchte Meeresluft an hohen Bergen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dort in einigen abgelegenen Regionen noch deutlich mehr Schnee fällt als an den Messstationen registriert wurde. So befindet sich die Rekord-Messstation Sukayu Onsen nur auf rund 900 Meter Höhe. In den umliegenden unbewohnten Bergen dürfte deutlich mehr Schnee zusammenkommen.

Bild: Tateyama Kurobe Alpine Route

Der Nordwesten Japans ist bekannt für die knapp 20 Meter hohen Schneewände, die man auf der Tateyama Kurobe Alpine Route durchfahren kann. Es dauert mehr als drei Monate diese Straße von der weißen Pracht zu befreien. Der Schnee wird dann in Schneewänden rechts und links der Strecke aufgetürmt (nur an der Straße liegt so viel Schnee).

Nordwesten der USA – Top zwei beim Schnee

Die Paradise Ranger Station im Mount-Rainier-Nationalpark im äußersten Nordwesten der USA verzeichnet mit einem Rekord von 31,1 Meter und durchschnittlich 17,27 Meter den weltweit zweithöchsten akkumulierten Schneefall. Der Nationalpark befindet sich unmittelbar an der Grenze zu Kanada. Es ist wahrscheinlich, dass im Stau der küstennahen Berge weiter nördlich(von British Columbia bis Alaska noch mehr Schnee fällt. Kandidaten sind zum Beispiel der Mount Fairweather. Dort fehlen jedoch Messungen.

Schneemassen in den USA
Ebenfalls viel Schnee misst die Station am Mount Baker, die nur rund 100 Kilometer entfernt vom Mount-Ranier-Nationalpark liegt. In der Wintersaison 1998/99 sind dort knapp 29 Meter gefallen. Bild: Colin Wiseman

Weitere Kandidaten für Schneerekorde

Neuseeland/Südalpen – Mindestens 30 Meter Schnee

Am Tasman-Gletscher auf der Südinsel Neuseelands hat die Wissenschaftlerin Heather Purdie am Ende der Wintersaison 2008 durch eine Bohrung eine Schneetiefe von 12,6 Meter gemessen, die Dichte betrug etwa 500 kg/m³.  Sie kommt auf ein Snow Water Equivalent* von 6,5 Meter. Das wären bei einer Dichte von 200kg/m³, die dort wohl typisch für frischen Schnee ist, etwa 32 Meter Schnee. (Sorry für die vielen Zahlen)

Vorherige Messungen vor allem aus den 70er Jahren zeigen eine Schneehöhe zwischen 8 und 14 Metern. Dass dort der Rekord zumindest der Wetterstationen in den USA und Japan geknackt wurde, ist also recht wahrscheinlich.

Die Westseite der Neuseeländischen Südalpen sind einer der niederschlagsreichsten Regionen der Erde. Die Berge ragen vom Meer teilweise mehr als 4000 Meter hinauf. Die feuchte Meeresluft staut sich und es regnet oder schneit.

T J H Chinn: Snow and Ice balance measuremts for the Tasman glacier, Waitaki Catchment, New Zealand, Geological & Nuclear Science, Febr. 1994
Purdie et al. Controls on spatial variability in snow accumulation on glaciers in the Southern Alps, New Zealand; as revealed by crevasse stratigraphy, HYDROLOGICAL PROCESSES, Aug. 2011

Südliche Patagonische Eisschild – Der eigentliche Schneerekord?

In einer Veröffentlichung wurde mithilfe der Isotopanalyse das jeweilige Water Equivalent* eines Jahres im Eis des des Pío XI Eisfeldes untersucht. Im Durchschnitt kamen die Wissenschaftler auf ein Water Equivalent von 5,8 Metern. Dies ist vergleichbar mit der Messung in Neuseeland.

Der südliche patagonische Eisschild vom Satellitten aus. Es ist das größte Gletschergebiet auf der Südhalbkugel außerhalb der Antarktis.

In einer weiteren Veröffentlichung wurde mithilfe von Klimamodellen der akkumulierte Schneefall berechnet. Demnach fällt dass am oben untersuchten Pío XI Eisfeld bei weitem nicht am meisten Schnee.  In anderen Regionen wurde ein Water Equivalent von etwa 10 Metern simuliert. Wenn das zutrifft, würde diese Region die bisherigen Schneemengen deutlich übertreffen. (Es ist jedoch keine Messung)

M. Schwikowski et al: Net accumulation rates derived from ice core stable isotope records of Pío XI glacier, Southern Patagonia Icefield, The Cryosphere, 2013
Claudio Bravo et al., Front. Environ. Sci, Assessing Snow Accumulation Patterns and Changes on the Patagonian Icefields, 2019

Südflanke des Himalayas – Große Unbekannte in Sachen Schnee

Die Südflanke des Himalayas, etwa östlich des 80. Längendgrades, ist ebenfalls ein Kandidat für den schneereichsten Ort der Erde. Dort sind zumindest die Regensummen und die Berge hoch genug. Daten dazu haben wir aber keine gefunden. Kennt jemand welche? Dann bitte kommentieren.

Der Rekordschnee in den Alpen

Auch die Alpen müssen sich in Sachen Schnee nicht verstecken. Betrachtet man die Neuschneesumme zum Beispiel für die Zugspitze (die in etwa mit dem akkumulierten Schneefall vergleichbar ist), so kommt man laut Angaben des Schneefernerhaus auf durchschnittlich etwa 10 bis 15 Meter. Verbreitet bei uns ist jedoch die Angabe der Schneehöhe, das sind die Rekorde:

Höchste Schneehöhe seit Messbeginn
Deutschland/Zugspitze 17,6 Meter (April 1980)
Österreich/Sonnblick 11,90 Meter (April 1944)
Schweiz/Säntis 8,16 Meter (April 1999)

Dieser Artikel beruht auf unserer eingehenden Recherche. Wir sind aber auch nicht allwissend und nicht als Wissenschaftler in diesem Gebiet tätig. Falls jemand mehr weiß oder etwas Wichtiges fehlen sollte, dann bitte einfach ins Kommentarfeld schreiben oder eine E-Mail an uns senden. Wir freuen uns sehr darüber!

* Begriffserklärungen

Akkumulierter Schnee [SWE] Wie viel Schnee fällt über das Jahr hinweg? In den USA messen automatische Stationen zum Beispiel anhand eines mit Frostschutzmittel gefüllten Kissens an einem windgeschützten Platz den jährlich akkumulierten Schnee.

Snow Water Equivalent [SWE] Wie viel Meter Wassersäule entsteht, wenn der gesamte Schnee geschmolzen ist? Um die Schneehöhe zu berechnen, muss man die Dichte des Schnees kennen.
SWE / Dichte = Schneetiefe (Dichte in Dezimalform, trockener Schnee z.B. 0,1)

Water Equivalent [WE] Wie viel Meter Wassersäule entsteht, wenn Schnee und Eis geschmolzen ist?

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