Wieder da! Rückreise in Coronazeiten

„Darf ich meinen Mundschutz wenigstens ausziehen, wenn ich was essen will?“ Diese Frage habe ich auch noch nicht gehört und begegnet mir zum ersten Mal auf unserem Rückflug von Santiago di Chile über Sao Paulo nach Frankfurt. Der Flieger ist rappelvoll und alle sind wohl froh, dass sie noch einen Platz bekommen haben. In Zeiten von Grenz- und Flughafenschließungen während Corona war es eine echte Zitterpartie.

Wir hatten eine erlebnisreiche Zeit in Chile und uns hier auch wohl gefühlt. Vom Coronavirus in Deutschland haben wir gehört und ich dachte lange Zeit, wir bleiben besser hier als in Deutschland. Doch es ist ein komisches Gefühl, wenn nach und nach Airlines ihre Flüge canceln, weil Länder ihre Grenzen schließen.

Wir lesen, dass die Lufthansa die meisten Flugzeuge am Boden lässt und dass das Außenministerium davon ausgeht, dass bald der weltweite Reiseverkehr zum Erliegen kommt. Hoteliers in Spanien sollen laut Nachrichten Touristen vor die Tür setzen. Mmmm, könnte so etwas hier in Chile in einigen Wochen auch passieren? So schlimm können wir uns das jetzt nicht vorstellen.

Sicher erscheint uns aber, dass es auch hier in Chile immer schwieriger werden wird. Der Reiseverkehr wird sicher auch hier zum Erliegen kommen. Wer weiß, wie dann hier das Leben samt medizinischer Versorgung aussieht. Darf uns dann überhaupt noch jemand ein Dach über dem Kopf geben?


Dienstag bis Donnerstag – Immer mehr Reiseeinschränkungen


Wir versuchen unsere Flüge umzubuchen. Laut einer Email unserer Airline LATAM (die größte Airline Südamerikas) können wir das aufgrund von Corona auch. Die Seite zum Umbuchen ist natürlich nicht erreichbar. Daniel stellt sich noch in Iquique in die Schlange des LATAM-Büros an und erfährt, dass sie unseren Flug nicht umbuchen können. Wir haben einen sehr günstigen Spezialtarif über die Seite flugladen.de gebucht. Zwar ist die ausführende Airline LATAM, aber angeblich kann man nur über flugladen.de umbuchen. Die Website von flugladen.de ist natürlich nicht erreichbar. Na prima, wohl am falschen Ende gespart.

schlange latam
Eine Schlange vor dem Latam Büro, als sich abzeichnet, dass viele Flüge ausfallen werden.

Laut Website von LATAM werden in ein paar Tagen 90 Prozent der internationalen Flüge gestrichen. Wir entscheiden uns also dazu, einfach einen neuen Flug zu buchen. Wohlweißlich, dass einige Airlines wohl pleitegehen und wir unser Geld der vorherigen Buchung vielleicht nicht mehr zurückbekommen. Flüge für die nächsten zwei bis drei Tage sind unbezahlbar, doch für Samstag gibt es noch normalpreisige Plätze über Sao Paulo nach Frankfurt. Wir buchen also einen Flug Calama-Santiago, Santiago-Sao Paulo und Sao Paulo – Frankfurt. Wir hoffen, dass wenigstens diese Flüge nicht gecancelt werden und falls doch, dass wir das Geld zurückbekommen.

Inzwischen schreiben wir die Deutsche Botschaft an, telefonisch erreichbar sind sie nicht mehr, auch das Büro ist geschlossen- Wir tragen uns in eine Rückholaktion ein. Da Chile aber vergleichsweise sicher und noch! fast coronafrei ist (neben der Dunkelziffer), ist hier noch nichts geplant. In einem facebook Forum „Deutsche in Chile“ tauschen wir uns derweil aus.

Blick auf die Strandpromenade von Iquique mit Reste eines Wolkenschirmes von den Anden. In der Stadt ganz im Norden Chiles sind wir, als sich die Lage verschärft.

Einer berichtet davon, in Punta Arenas im Süden des Landes mit seinem Mietwagen festzuhängen. Er muss sein Auto nach Santiago bringen und das ist nur über den Landweg über Argentinien möglich. Argentinien hat aber nun seine Grenzen geschlossen. Auch ein Besuch des Perito-Moreno-Gletschers, wo wir noch vor wenigen Tagen waren, ist nun nicht mehr möglich. Das alles geschieht hier ohne jegliche Vorwarnung manchmal von einem auf den anderen Tag.

Ein Nebelfänger mit Wetterstation im Küstengebirge bei Iquique im Norden Chiles.

Wir verbringen bis zu unserem Abflug noch einige mehr oder weniger entspannte Tage in der Stadt Iquique, wo wir Nebelfänger besichtigen (Der Bericht folgt noch) und mit den Kindern auf einer Düne Sandboarding üben. Während wir in der Stadt ganz im Norden von Chile sind, werden Schulen, öffentliche Einrichtungen, Spielplätze und selbst der Strand geschlossen. Die Post ist nur noch stundenweise geöffnet. Ich jogge die Strandpromenade entlang und bilde mir ein, als Europäer komisch angeschaut zu werden. Auch hier im Radio ist die Lage in Deutschland Thema.


Donnerstag – Ankunft in Calama und erneute Absage


Dann fahren wir mit dem Bus fünf Stunden weiter südlich nach Calama. Von dort wollten wir eigentlich mit dem Camper für ein paar Tage in die Wüste starten. Daniel checkt ständig neue Nachrichten zu Corona und unsere Flüge. Wir können online dann schon einmal einchecken und sind guter Hoffnung, dass wir nun auch fliegen. Wenige Stunden später erreicht uns dann eine Mail „Your flight is canceled“, Die Begründung „because of border closure“.

Endlose Wüstenlandschaft auf der Busfahrt nach Calama.

Beim genaueren Hinschauen sehen wir, dass nur der Flug von Calama nach Santiago, also innerhalb von Chile, ausfällt. Aufgrund von Grenzschließungen kann das ja eigentlich nicht sein. In der Email wird empfohlen zur Umbuchung eine bestimmte Seite aufzurufen, von der man an einen Chat weitergeleitet wird. Wir haben Wartenummer 115. Wir warten mehr als eine Stunde, bis wir bei Nummer 55 aus dem Chat rausgeworfen werden. Grrr.

Die Karte zeigt die Dimensionen. Von Iquique (grün) bis Calama (rot) haben wir mit dem Bus 5 Stunden gebraucht. Bis Santiago ist es um ein Vielfaches weiter. Von Calama sind es noch knapp 1600 Kilometer. Das sind 200 Kilometer mehr als von Köln nach Rom!

Online kann man nichts mehr buchen oder nur noch für 1000 Euro pro Person für diesen Miniflug. Die Option 20 Stunden am Stück mit dem Bus zu fahren, verwerfen wir schnell wieder. Selbst dann würden wir Santiago nicht rechtzeitig erreichen. Es ist schon sehr spät, besser wir fahren am nächsten Tag zum Flughafen.

Freitag – kurzfristiger Flug nach Santiago


Eigentlich wollen wir heute nach Quillagua, zum trockensten Ort der Erde. Unser ursprünglicher Flug sollte erst am nächsten Tag sein, sodass wir das auch durchziehen wollen. Wir haben einen Mietwagen dafür gebucht, den wir frühmorgens abholen. Der erste Weg mit dem Auto führt uns dann zum Flughafen. Wir erwarten eine lange Schlange am Schalter, stattdessen gähnende Leere. Auf dem Display sind viele Flüge gecancelt.

Die beiden Damen am Schalter sind hilfsbereit und bieten uns einen Flug am Nachmittag an. Wir fragen noch, ob auch was am Abend ginge. Schließlich wollen wir doch nach Quillagua und haben extra einen Mietwagen gebucht. Am Abend ist aber wohl alles voll und am Nachmittag sind es mit die letzten Plätze. Fliegen ist also wichtiger als Quillagua. Zumindest wären wir dann schon einmal in Santiago.

Ob wir von Santiago wegkommen und ob wir noch auf den weiteren Flug nach Sao-Paulo und Frankfurt gebucht sind, können sie uns nicht sagen. Naira muss dringend auf Toilette, doch selbst die ist am Flughafen geschlossen. Besonders toll, weil man sich ja eigentlich gut und oft die Hände waschen soll.

Da es noch sehr früh am Morgen ist, fahren wir wenigstens kurz mal in die umliegende Wüste. Die Berge im Hintergrund Richtung San Pedro di Atacama sehen toll aus. Wie gerne würden wir dort nachts den Sternenhimmel vor dieser beeindruckenden Kulisse genießen. Vielleicht ein anderes Mal. Jetzt müssen wir zurück in die Wohnung, und flott packen. Knapp vier Stunden nach unserer Abholung geben wir den Mietwagen schon wieder zurück. Auf dem Weg zurück zum Flughafen sehen wir zumindest noch einen Staubteufel. Das ist ein Wirbelwind, der sich im Gegensatz zu Tornados bei sonnigem Wetter bildet und weniger stark ist:

Am Flughafen in Calama gibt es nun eine lange Schlange vor dem Schalter unserer Airline. Viele stehen jetzt hier mit Mundschutz. Wir natürlich nicht, weil wir nirgendwo mehr welchen bekommen haben. Genauso ist hier auch das Desinfektionsmittel ausverkauft. Ein netter Herr schenkt uns drei Masken. Es ist jedoch nicht leicht, den Kindern beizubringen, die Dinger zu tragen. Nach der Erklärung, dass sie andere wie auch die Großeltern damit schützen können, geben sie auf.

Im Flugzeug finde ich die Atmosphäre gespenstisch. Die meisten sitzen jetzt hier mit Mundschutz. Diejenigen, die keinen besitzen, haben sich zumindest ein Tuch um Mund und Nase gewickelt. Das ist für mich ein ungewohntes Bild. Manche haben eine Art Gasmaske auf und um die Augen dann noch eine Art Taucherbrille zum Schutz vor Tröpfcheninfektionen. Naira ist entsetzt: „Ich würde doch nie so eine peinliche Brille anziehen.“

Es ist ruhig, man kann sich ja auch nicht unterhalten. Ich bin froh über ein Kind in der Nähe, das fröhlich unter seinem Mundschutz gackert. Ich hoffe nur, dass ich auf dem Flug nicht niesen muss. Ich habe eine Haustaub-Milben-Allergie und niese dann manchmal und kann das dann auch nicht unterdrücken.

Zum Glück schaffe ich es ohne Niesen. Nach vier Stunden landen wir in Santiago. Unser erster Weg führt uns am Flughafen zum Büro unserer Airline, wo natürlich eine Menschenansammlung ist. Wir ziehen eine Wartenummer und stellen uns auf einige Stunden Warten ein. Dann werden wir von einer Dame von LATAM angesprochen. Sie gibt uns eine Schalternummer, an die wir uns wenden können. Wir sollen versuchen, Plätze im Flug über Madrid am Abend zu bekommen. Sie meint, sie haben selbst keine Ahnung, welcher Flieger morgen noch gehen wird. Erst vier Stunden vor Abflug sind sie etwas sicherer.

Am Schalter warten viele Europäer. Wir sprechen mit einer Deutschen, deren Flug mit Air France auch kurzfristig gecancelt wurde und die jetzt noch versucht etwas anderes zu buchen. Sie kommt aus Punta Arenas im Süden Chiles, wo wir zuvor ja auch mal waren. Ihr Mann konnte nach langem Warten in der Telefonwarteschlange noch einen Flug von dort nach Santiago buchen. Es ist ein Glück für sie, denn einen Tag später sollten alle Flüge von dort komplett gestrichen werden. Wir hoffen, sie ist auch gut zurückgekommen.

Am Fughafen in Santiago. Da haben wir schon erfahren, dass wie einen Boardingpass haben. Naira (links im Bild) möchte nicht mehr fotografiert werden 😉

Wir kommen am Schalter an, der LATAM -Mitarbeiter teilt uns mit, dass der Flug über Madrid schon voll ist, er uns aber auch auf die Warteliste setzen kann. Dann erfährt man kurzfristig, ob man den Flug bekommt, falls einige nicht einchecken. Allerdings kämen wir von Madrid auch nicht direkt nach Frankfurt, sondern nur über den Umweg Genua. Ich glaube weder Genua noch Madrid sind momentan sehr begehrt. Wir fragen, ob wir denn überhaupt noch auf der Liste für den Flug über Sao Paulo nach Frankfurt stehen. Glücklicherweise tun wir das.

Dieser Flug ist voll, daher ist der Mitarbeiter zuversichtlich, dass er nicht abgesagt wird. Er kann uns auch direkt die Boardingpässe ausdrucken. Ich frage ihn, ob er wirklich sicher ist. Ich habe nämlich keine Lust in Sao Paulo am Flughafen zu stranden. In Brasilien darf man inzwischen nicht mehr einreisen.

Wie eine Trophäe: Der Boardingpass!

Er lachte und sagte, er sei sicher. Glücklich mit zwei Boardingpässen in der Hand wie eine Art Trophäe und mit einem großen Dankeschön entfernen wir uns vom Schalter. Im Hintergrund hängt das Display mit den vielen gecancelten Flügen. Außer LATAM fliegt hier derzeit fast nichts mehr.

Die letzte Nacht in Chile

Es ist nun 19 Uhr. Jetzt wissen wir, dass wir morgen fliegen. Wir sind in Santiago und haben noch keine Unterkunft für die kommende Nacht. Wir hatten ja keine Ahnung, wie es überhaupt weitergeht. Airbnb sei Dank, finden wir kurzfristig ein Dach über dem Kopf bei einer netten Chilenin. Sie entschuldigt sich, als sie bei unserer Ankunft noch die Betten bezieht. Wir müssen lachen, wer rechnet um diese Zeit auch noch mit Gästen. Wir sind dankbar bei ihr schlafen zu können und ihre Küche mitbenutzen zu dürfen. Zum Glück haben wir in Calama noch genug Essen eingepackt und es gibt wie so oft Spaghetti Bolognese. Ziemlich müde, aber auch erleichtert fallen wir ins Bett.


Samstag – Flug nach Sao Paulo

Morgens müssen wir erstmal Frühstück besorgen. Ich schnalle mir den Rucksack auf und will etwa einen Kilometer zum nächsten Supermarkt joggen. Der ist zwar geöffnet, bis 10 Uhr aber nur „solo mayores“, also nur für Ältere. Ich weiß nicht, ob ich es jetzt nett finden soll, dass sie mich nicht der Grupe zuordnen ;-). Ich laufe weiter zum nächsten Supermarkt. Dort gibt es eine mindestens 200 Meter lange Schlange. In Chile wird in die Supermärkte aktuell nur eine begrenzte Anzahl an Leuten eingelassen. Stattdessen stehen jetzt alle draußen dicht an dicht. Ich sehe eine Tankstelle und es gibt Muffins und eingepackte Waffeln zu kaufen. Die Kinder zu Hause freuen sich über dieses außerordentliche Frühstück. Wenigstens hatten wir noch einen Apfel im Gepäck.

Wir verabschieden uns von unserer netten Vermieterin und fahren mit Uber und Mundschutz zum Flughafen. Das Parkhaus ist recht leer, auch der Flughafen selbst ist nicht besonders voll. Wir geben unser Gepäck ab, erst dann sind wir relativ zuversichtlich, dass wir auch wirklich fliegen werden. Der Flug selbst ist dann entspannt, die Kinder setzen schon freiwillig ihre Masken auf. Naira hatte zuvor am Flughafen zwar noch behauptet, sie erstickt. Sie nimmt dort ihre Maske ab und hustet erstmal. Sowas würde im Flugzeug derzeit nicht so gut ankommen.

Leere am Flughafen in Santiago.

Kurz vor unserem Abflug erhalten wir eine Absage von unserer Ferienwohnung, die wir in Deutschland vorgesehen haben. Wegen Corona, unsere Nerven. In unser Haus können wir leider nicht, da es noch vermietet ist. Zu jemanden ins Haus wollen wir nicht. Wir sind recht sicher, dass wir noch gesund sind. Aber wir haben keine Ahnung, was wir uns auf den Flügen holen.

Daniel schaut noch bei Airbnb, aber die Auswahl ist begrenzt. Bei Airbnb muss man eine Wohnung erstmal anfragen und dann warten, ob sie bestätigt wird. Wir sind nicht sicher, ob das so schnell geht. Ich schreibe zwei ganz liebe Menschen an. Beide organisieren uns in Windeseile eine Wohnung. Daanke! In der Zwischenzeit hat nun der Airbnb Gastgeber zugesagt und die ersten beiden Nächte in Deutschland sind gesichert, puuh!

Blick über die Anden beim Flug von Santiago nach Sao Paulo.

Der Flug von Santiago nach Sao Paulo geht natürlich über die Anden. Wir genießen den Blick nach unten auf diese weite Berglandschaft mit einzelnen schneebedeckten Gipfeln. Die Sorgen der Rückreise sind kurz vergessen. Straßen oder Häuser sieht man hier nirgendwo. Auf dem Flug gibt es sogar Essen. Maria neben mir schaut mich an „Mama, darf ich meinen Mundschutz wenigstens ausziehen, wenn ich was essen will?“ Ich muss lachen, zum Glück dürfen wir was essen. Nach vier Stunden landen wir in Sao Paulo.

Landeanflug in Sao Paulo.


Sao Paulo Flughafen

Nun sind wir hier an einem Gate im Transferbereich. Alles andere ist ja auch geschlossen, einreisen geht ja nicht mehr. Es ist 20:26 Uhr Ortszeit. Wir nutzen das kostenlose WLAN und sitzen hier an der Steckdosenleiste mit vier Leuten an Tablets und Notebooks. Die Kinder schauen youtube Kids, Daniel schreibt einen Blogbeitrag zu Patagonien auf unsere Seite.

Nicht grade pädagogisch sinnvoll, aber eine gute Beschäftigung, wenn man müde ist und warten muss. Sry, das Foto ist etwas unscharf.

Andauernd hören wir Lautsprecherdurchsagen mit Passagieren, die als letzte Chance zum Boarding aufgerufen werden. Es sind einige und ich fühle mit ihnen mit. Sicherlich konnten sie Sao Paulo aufgrund von fehlenden Zubringerflügen nicht erreichen.

Hier am Flughafen ist es noch voller als in Santiago. Draußen warten auch mehrere Maschinen, sogar KLM und Lufthansa sehen wir. Es gibt noch Flüge nach Chicago, Washington, Tel Aviv, Istanbul, Paris oder Amsterdam. Anscheinend sind hier noch nicht so viele Flüge gestrichen wie in Chile. Wir hören immer häufiger Deutsch. Die Stimmung hier ist fröhlich. Ich denke, alle wissen es zu schätzen, diesen Flug nehmen zu dürfen. Keiner scheint traurig zu sein, ich bin mir aber sicher, dass jeder hier eine Geschichte zu erzählen hat, wie er es hierhin geschafft hat.

Flug nach Hause

23:12 Uhr: Wir haben es tatsächlich in den Flieger geschafft. Die Kinder sind noch wach und schauen Videos. Mittlerweile haben sie alle Folgen von „Home alone“, „Frozen“, „Ice Age“ gleich mehrmals in den Flugzeugen geschaut. Neben mir sitzt ein Österreicher. Er hustet verlegen in seinen Schal und erzählt mir, dass er schon seit Januar mit dem Motorrad in der Pampa unterwegs war und sich im Zelt erkältet hat. Dann wurden die Grenzen in Argentinien geschlossen. Er musste einen riesigen Umweg fahren um zum Flughafen zu kommen, das Motorrad ist eingelagert. Ich glaube, so geht es vielen.

Sonntag – Ankunft in Frankfurt

7:30 Uhr: Wir erreichen Spanien. Die Nacht war eine typische auf einem Langstreckenflug in der Economy-Class. Ich glaube, wir haben immerhin alle etappenweise etwas geschlafen und die Kinder am besten. Zwischendurch lag Marisa mit ihrem Kopf auf meinem Schoß, dann wieder mit den Füßen.

Beim Landeanflug (hier über dem Schwarzwald) fragt Marisa uns, ob der Borkenkäfer jetzt alle Bäume zerstört hat. Sie hat vergessen, was ein Winter ist.

14:40 Uhr: In Deutschland gelandet! Wir freuen uns. Wir hätten noch am Freitagmorgen niemals gedacht, hier heute anzukommen. Die Autobahnen von oben aus dem Flugzeug sehen recht leer aus. Auch am Flughafen ist natürlich nicht viel los.

An einem leeren Terminal in Frankfurt.

Wir wundern uns, dass hier noch nicht einmal die Bediensteten der Bundespolizei, vom Zoll und geschweige denn Verkäufer etwas um Mund und Nase tragen. Für uns ist das nun ein ungewohntes Bild.

Auch am Flughafen Frankfurt sind natürlich viele Flüge annuliert.

Ich Chile gibt es vor den Schaltern noch immer eine weitere Absperrung, sodass man gar nicht erst in Versuchung kommt, näher an die Mitarbeiter heranzugehen als nötig. Hier gibt es so etwas nicht. Wir sagen bei der Einreise nur freundlich „Hallo“ und dürfen durchgehen. Irgendwelche Kontrollen oder Aussteigekarten erhalten wir nicht. Hätten wir jetzt auch aus China einreisen können?

Nachtrag: Inzwischen kann man in Chile auch nicht mehr die Regionalgrenzen überqueren. Rückholflüge der Bundesregierung beginnen nun auch in Chile. Aber wohl auch nur von Santiago aus. Wenn man woanders in Chile festhängt, ist es schwer.

Ankunft in Linz

Wir freuen uns in Deutschland zu sein, auch wenn wir erstmal nicht Familie und Freunde treffen können. Danke an Ulrike und Faruk, Karl und Paul, dass sie uns das Auto samt Carepaket bringen (sogar mit begehrtem Klopapier und Mehl ;-)), Danke! Wir fahren noch am Abend weiter in eine Ferienwohnung.

Danke für den lieben Empfang (natürlich mit Abstand) und das Bringen des Autos!!

Mit Mundschutz einkaufen

Ich gehe am nächsten Tag nun aus Gewohnheit aus Chile mit Mundschutz einkaufen und fühle mich total unwohl. Ich habe das Gefühl wie eine Aussätzige angestarrt zu werden. Ich bin mir sicher, dass ich mir das nicht einbilde. Seltsam ist die Welt doch.

In Santiago di Chile beim Einkaufen, aber auch innerhalb von Chile im Flugzeug wäre ich komisch angestarrt worden, wenn ich nichts um den Mund getragen hätte. Und zwar für den Schutz der anderen. Und Chile ist ja nicht Asien, vor unserer Ankunft hat dort keiner was getragen.

Erstmals hier in Deutschland mit einer Maske einkaufen. Ein komisches Gefühl!

Ich glaube, es ist auch kein Wunder, dass hier kaum jemand mit irgendetwas um den Mund rumläuft. Das Robert-Koch-Institut (RKI) schreibt zwar:

„Wenn sich eine an einer akuten respiratorischen Infektion erkrankte Person im öffentlichen Raum bewegen muss, kann das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes (MNS) oder einer alternativen, ggf. textilen Barriere im Sinne eines MNS durch diese Person sinnvoll sein, um das Risiko einer Ansteckung anderer Personen durch die größtmögliche Zurückhaltung von Tröpfchen, welche beim Husten oder Niesen entstehen, zu verringern (Schutz der Mitmenschen).“ Quelle: Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus

Wenn ich das richtig verstanden habe, merkt man ja nicht direkt oder manchmal gar nicht, dass man den Virus trägt und zumindest an die Verkäuferin komme ich ja näher ran. Demnach ist irgendeine textile Barriere zumindest besser als nichts. Weiter unten schreibt das RKI aber:

„Nach Angaben der WHO kann das Tragen einer Maske in Situationen, in denen dies nicht empfohlen ist, ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen, durch das zentrale Hygienemaßnamen wie eine gute Händehygiene vernachlässigt werden können.“ Quelle: Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus

Das heißt für mich, die mechanische Barriere, irgendwas was vor den Mund zu tragen, kann andere schützen. Sie haben aber Angst, dass dann von manchen Abstand und Händewaschen vernachlässigt werden. Offensichtlich wird das in Chile anderes ausgelegt. Dort werden alle drei Maßnahmen propagiert. Auch ich traue mir tatsächlich auch zu, alle drei einzuhalten.

Ich denke mir, auch das ist der Sinn solch einer Reise durch so viele Kulturen. Dinge, die im eigenen Land ganz selbstverständlich sind, schätzen zu lernen. Aber auch andere Dinge mit anderen Augen zu sehen und vielleicht kritisch zu hinterfragen.

Wir werden hier noch weitere Berichte veröffentlichen. Mindestens noch etwas von unserem einwöchigen Aufenthalt in der Wüste. Danke euch fürs Lesen und fürs Feedback!

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