Besuch bei der Wetterstation in Cherrapunji

Cherrapunji-Meteorological-Radar
Mit den indischen Kollegen vor dem Meteorologischen Bür in Cherrapunji. Im Hintergrund ist die Radarkuppel zu sehen.

Schon von weitem ist in Cherrapunji die Kuppel des „Indian Meteorological Department“ zu erkennen. Beim „Fußball“ auf dem Gebäude, wie ihn unsere Kinder nicht ganz zu unrecht bezeichneten, handelt es sich um ein Regenradar. Heute hat es nichts zu tun, erneut haben wir einen sonnigen Wintertag. Das liegt daran, dass wir in der Trockenzeit hier sind. Im Niederschlagsdiagramm sehr ihr, dass der Dezember der trockenste Monat ist. 90 Prozent des Niederschlags fällt hier in nur sechs Monaten während der Monsunzeit. Dann regnet es wohl Tag und Nacht ohne Unterbrechung durch.

klimadiagramm cherrapunji
Klimadiagramm mit Daten von 1902-2000. Quelle: India Meteorological Department (IMD)

Erwartet wurden wir von zwei Meteorologen, die extra aus Shillong gekommen sind, Mr. Kumar und Mr. Pariong. Sie führten uns gleich ins Büro, das an der Wand mit Bildern von den Wetterdaten der Station ausgekleidet war. Da ging unser Meteorologenherz auf, denn im Netz kursieren zwar Niederschlagsdaten, aber alle sind unterschiedlich. Jetzt sind wir endlich an der Quelle 😊

Die jährlichen Regensummen werden hier in Zentimetern gemessen. Im Durchschnitt der letzten Jahrzehnte sind es etwa 1100 Zentimeter auf den Quadratmeter.

Die Regenrekorde von Cherrapunji

Sie präsentierten uns den Rekord aus dem Jahre 1974, wo 22.763 Liter Jahresniederschlag gemessen wurden. Interessanterweise wussten sie nichts von dem von der World Meteorological Organization (WMO) genannten Rekord aus dem Jahre 1860. Damals sollen 26.470 Liter auf den Quadratmeter in zwölf Monaten gefallen sein. Sie verfügen hier nur über Daten ab etwa 1900, davor war die Station wohl in britischer Hand.

Niederschlagssummen Sohra
Die jährlichen Regensummen von Cherapunji.

Die Wetterstation in Cherrapunji

Die Wetterstation stand wohl die ganze Zeit am selben Ort, wurde laut Aussage der Meteorologen nur einmal auf dem Gelände selbst versetzt. Die Station selbst ist gut ausgestattet. Es gibt alles Erdenkliche, was man auch an deutschen Stationen findet. Hütten, um Temperaturen zu messen, eine Glaskugel um die Sonnenschein zu messen, ein Pyranometer zur Strahlungsmessung und sogar ein Distrometer. Damit kann man Regentropfen sozusagen abfotografieren und eine Statistik über die Größe von Tropfen erstellen.  Die Regenmenge wird automatisiert mit einer Regenwippe gemessen, aber nach wie vor auch per Hand. Die Messung, die zählt und letztlich angegeben wird, ist die Messung per Hand.

Die Wetterstation in Cherrapunji
Wir mit den indischen Kollegen an der Wetterstation in Cherrapunji. Der grüne Krug im Bild ist der Regenmesser.

Die Station befindet sich auf einem Rasenstück am Rande des Geländes und ist insgesamt in einem guten Zustand. Es ist nichts zugewachsen, manche deutschen Stationen können sich ein Beispiel nehmen. Zwei weitere Meteorologen kamen hinzu, sie waren für die Betreuung des Radars sowie für das Ablesen der Daten zuständig. Diese beiden leben wohl ausschließlich in einem eigens neben dem Büro errichteten Wohngebäude.

nohaikita Falls in Cherrapunji/Sohra
Die Nohkalikai Falls bei Cherrapunji. In der Regenzeit sieht man hier gleich mehrere Wasserfälle und durch den ganzen Nebel den kleinen See nicht mehr.

Anschließend sind wir mit allen noch zu den Nohkalikai Falls in der Nähe gefahren. Dort befindet sich ein Schild, was wir vorher im Netz gefunden hatten. „Cherapunjee,one of the rainiest places on earth“.

Schild Sohra rainiest place on earth

„One oft the rainiest places on earth“, denn im benachbarten Mawsynram steht eine Wetterstation, die im Jahresmittel noch etwas mehr misst als die in Cherrapunji. Die Station dort wird vom Staat Meghaylaya betreut. Die Meteorologen in Cherrapunji kontrollieren aber regelmäßig die Funktion der dortigen Messgeräte. Die Daten selbst dürfen sie nicht rausgeben. Mawsynram werden wir auch noch besuchen.

Zur nächsten Unterkunft nach Tyrna

Nach einem Mittagessen mit unseren Kollegen ging es über eine holprige Buckelpiste zu unserer nächsten wie wir finden sehr noblen Unterkunft, Smoky-Falls Mae Fi in Tyrna. Für etwa 15 Kilometer haben wir eine Stunde gebraucht. Warum, seht selbst:

Belohnt wurden wir von einem wundervollen Sonnenuntergang mit Blick Richtung Bangladesch. Auf der anderen Seite war die Steilwand hoch nach Cherrapunji zu sehen.

sonnenuntergang Tyrna Smoky Falls

Wir sind nun auf 600 Meter Höhe, Cherrapunji liegt auf 1420 Meter Höhe. an den dünn besiedelten Hängen herrscht eine reichhaltige Vegetation, oben in Cherrapunji überwiegt aufgrund von massiver Abholzung eine Steppenlandschaft. Morgen wollen wir mit den Kindern wandern gehen.

Allen nach Deutschland einen schönen Nikolaustag!

Nikolaustag

Kleiner Nachtrag: Auf den Schildern sieht man anstelle der Bezeichnung Cherrapunji den Namen Sohra. Vor vier Jahren wurde der Ort Cherrapunji in Sohra umbenannt. Wir schreiben hier von Cherrapunji, da es zumindest und den Meteorologen weltweit noch bekannter ist.

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