Wanderung zum nassesten Ort Neuseelands

Die besten Wanderungen bisher waren die, von denen wir nichts erwarteten. Unbedingt wollten wir die nasseste Region Neuseelands besuchen. Wir gehen von einem langweiligen gut ausgebauten Feldweg aus. Doch wir bekommen einen richtig einsamen Abenteuerweg.

Wenn wir zu einem besonders nassen Ort wollen, dann ist es trocken und sonnig. So war es in Cherrapunji, als wir den nassesten Ort der Erde besuchten, und so ist es auch heute. Wir wollen zu einem Tal wandern, wo die nasseste Wetterstation Neuseelands steht. Sie heißt Cropp at Waterfall und misst durchschnittlich 11431 Liter auf den Quadratmeter. Nach unserer Recherche ist dies damit die drittnasseste Region der Erde. Hier an der Westküste der Südinsel stauen sich die Wolken vom Meer und regnen ab.

Die nassesten Orte der Erde
1 12440 Mawsynram/Indien 1971-2000 [7]
2 11740 Cherrapunji/Indien 1971-2000 [7]
3 11560 Tutunendo/Kolumbien 1981-2010 [2]
4 11431 Cropp at Waterfall/Neuseeland 1982-2010 [3]
5 11160 Debundscha/Kamerun 1960-1980 [4]
Durchschnittliche jährliche Niederschlagssumme jeweils in Liter pro Quadratmeter.


Heute ist es wie gesagt trocken und der anfängliche Hochnebel reißt immer mehr auf. Wir starten in der Nähe der Hokitika Gorge. Das ist eine Schlucht, wo sich der Hokitika River staut. Am Rande des Touristenparkplatzes dort führt eine holpriger Schotterweg zum Ausgangspunkt unserer Wanderung.

Diese Schlucht „Hokitika Gorge“ ist etwas bekannter. Von dort geht ein Schotterweg ab.

Es gibt zahlreiche Schlaglöcher rund ich fühle mich an die Abenteuerwege in Indien erinnert. Jetzt mit unserem Camper merkt man die Löcher noch mehr, hinten im Bus klirrt das Geschirr. Irgendwann kommt das obligatorische Schild „Fahrt auf eigene Gefahr“. Wir fahren so weit es geht, doch vor der Überquerung eines jetzt trockenen Flussbettes ist Schluss. Die Steine sind hier einfach für unseren Camper zu groß. Wir stellen ihn an den Rand, ein weiteres Auto parkt in der Nähe.

Bei den großen Steinen vorne rechts im Bild ist Schluss. Hier parken wir unseren Camper.

Die Kinder haben wenig Lust zu wandern, doch mit der Aussicht auf ein Eis nach der Wanderung sind sie dann doch aus dem Camper zu bewegen. Zunächst geht es einen etwas breiteren Feldweg entlang. Der führt durch einen Bach, den wir barfuß durchwaten. Marisa trage ich, weil sie ihre Schuhe nicht ausziehen möchte. Es ist auch besser so, denn für das Anziehen ihrer Schuhe braucht die kleine Madame eine halbe Ewigkeit. Als wir auf der anderen Seite des Baches ankommen, sehen wir, dass gleich nebenan eine kleine Fußgängerbrücke ist. Na toll!

Wir watschen durch den Bach neben einer Brücke 😉

Neben uns liegt jetzt eine Wiese, in der Ferne grasen Kühe, weit entfernt sieht man ein kleines Haus, allerdings scheint es verlassen zu sein. Wir folgen den Weg entlang. Neben uns liegen saftig grüne Wiesen, links und rechts von uns erheben sich die Berge. In der Ferne hört man den Hokitika River rauschen, ansonsten ist es absolut still.

Ein Feldweg führt am Anfang entlang von Wiesen, etwas weiter entfernt liegt der Fluss.

Am Anfang des Weges stand ein Schild „Danger – toxin“ und dass man den Weg nicht verlassen solle. Hier in Neuseeland sind oft Fallen aufgestellt oder es wird Gift ausgelegt um bestimmte Tiere zu fangen oder zu töten. Meistens sind das die aus Australien eingewanderten Possums, die hier einheimische Bäume kahl fressen und es auf auf die Eier der beliebten Kiwi-Vögel abgesehen haben.

Naira hat Spaß beim Überspringen einer ausnahmsweise mal eingetrockneten Pfütze.

Zwischendurch gibt es immer ziemlich große Pfützen, die den Weg versperren. Wir gehen durch den Schlamm am Rand vorbei. Die Wolkendecke reißt nun immer mehr auf. Der Weg biegt nun ab zum Fluss, hier machen wir eine Kekspause.

Der Hokitika-River von oben. Ab nun geht es hier entlang.


Kollegen vom neuseeländischen Wetterdienst sagten uns, wir sollen hier nur wandern, wenn es trocken ist. Der Fluss steigt bei Regen wohl rasch an, auch jetzt finde ich die Strömung schon ordentlich. Wir sind heute sicher, dass es nicht regnet. Der weitere Weg führt nun direkt am Fluss entlang, was uns überrascht.

Unmittelbar am Fluss entlang klettern wir über die Steine.

Wir klettern über Steine, neben uns immer der türkisblaue Fluss. Zwischendurch überqueren wir mehrere Zuflüsse oder hopsen zwischendurch durch das Wasser. Am Rand liegen richtig große Felsbrocken, nebendran am Ufer geht es steil bergauf. Man kann sich so richtig vorstellen, wie viel Kraft das Wasser hier haben kann. Das Klettern am Fluss entlang ist anstrengend und dauert, doch die Kinder haben Spaß dabei. Alles ist besser als ein langweiliger Feldweg.

Zwischendurch müssen wir uns etwas den Weg über Steine suchen, um trocken durchzukommen. Das Foto zeigt das klare Wasser.

Nach einigen Kilometern geht ein sehr steiler schmaler Pfad weg vom Fluss. Wir hätten den niemals gefunden, hätte es nicht einen orangenen Pfeil als Markierung gegeben. Der Weg ist so schmal und eingefurcht, das Marisa fast ganz darin versinkt. Daneben ragen Disteln hoch hinauf.

Der Urwald am Rande vom nassesten Ort Neuseelands.

Nun klettern wir steil aufwärts und der Weg führt oberhalb vom Fluss entlang. Dort ist ein richtiger Urwald. Links von uns ist ein steiler Hang, der mit Moos bewachsen ist. Immer wieder fließt Wasser den Hang hinab. Die Kinder duschen ein wenig.

Etwas Abkühlung durch hinabfließendes Wasser tut gut.

Es ist sehr warm und außerhalb des Waldes nun auch sonnig. Manchmal überqueren wir weitere Bachläufe, manchmal führt der Weg auf Steinen auch direkt durch einen Bach. Dabei herrscht nun absolute Stille, uns begegnet hier kein Mensch.

Unser kleiner Abenteuerweg über Steine und Bäche.

Auf einem Baumstamm machen wir Pause, wie üblich bei unseren Wanderungen hier essen wir Baguette mit Salami und Paprika. Die Kinder wollen einfach nicht mehr weiter. Eigentlich wollten Daniel und ich etwas weiter bis zum dem Tal, wo der Cropp River abzweigt, doch die Kinder weigern sich. Daniel geht alleine weiter, weil er auch noch einen Konfluenzpunkt besuchen möchte (Für alle denen das nichts sagt: Ein Schnittpunkt von Längen und Breitengrad). Er veröffentlicht dazu noch einen eigenen Bericht.


Als ich bei unserer Pausenstelle aus unserem Dickicht heraus mal nach oben schaue, sehe ich direkt neben uns einen riesigen Baum. Zwischendurch schimmert die Sonne durch, es ist wie im Paradies.

Solch dicke Bäume gibt es überall am Hokitika River, man muss nur mal durch das Dickicht nach oben blicken.

Wir machen uns dann auf den Rückweg, ich vor und die Kinder hinterher. Dann überholt uns ein Pärchen, witzigerweise ein deutsches Paar. Es ist schon faszinierend, man wandert hier in der Einsamkeit und trifft niemanden, außer Deutsche. Die beiden sind auch ganz begeistert vom Weg und haben außer uns auch sonst niemanden getroffen. Immer wieder begegnen wir auf einsamen Wegen Deutschen, offensichtlich zieht es viele unserer Nation in die Einsamkeit 😉.

Die beiden erzählen uns, dass nur wenige hundert Meter von unserer Pausenstelle entfernt eine Seilbahn mit einer Gondel über den Fluss führt. Sie haben auch Daniel getroffen und ihm erklärt, wie er am besten alleine darüber kommt. Das ist wohl gar nicht so leicht. Daniel wird uns später erzählen, dass es eine sehr kleine Gondel ohne jegliche Abgrenzung war.

Hier die Gondel, mit der Daniel den Fluss überquert hat.

Der Weg zurück zieht sich, Naira rutsch zwischendurch auf den Steinen aus und fällt auf den Po, Marisa stürzt auf ihr Schienbein. Ich bin froh, als wir den „normalen“ Weg erreichen. Unser Highlight ist es, am Schluss durch den kühlen Bach zu watschen. Die Fußgängerbrücke gleich nebendran ist wohl eh nicht mehr passierbar.

Unsere Schuhe nach der Wanderung verraten, dass wir nahe am nassesten Ort Neuseelands waren. Das Wetter hingegen bleibt den ganzen Tag über sonnig.

Als wir endlich unseren Camper erreichen, ist es bereits 19 Uhr. An der Windschutzscheibe heftet ein kleiner Blumenstrauß. Offensichtlich ist er von den anderen beiden Deutschen, deren Auto jetzt auch weg ist. Wie nett! Die Kinder besorgen gleich ein Glas mit Wasser und wir verschönern unseren Abendtisch.

Unser Platz zum Abendessen.

Wir haben uns schon zuvor aufgrund der Dauer der Wanderung dazu entschlossen einfach mit dem Camper an Ort und Stelle stehen zu bleiben. Das ist einfach das angenehme am Camperleben. Da zu bleiben, wo es gerade passt und ein warmes Bett samt kleiner Küche zu haben. Ich koche und wir bauen unseren Tisch am Flussbett auf. Ich mache mir schon Sorgen, dann taucht Daniel auf. Wir sind glücklich wieder komplett zu sein. Die Nacht verbringen wir in Ruhe an unserem Stellplatz. Das einzige, was stört, sind Sandfliegen, von denen es hier jede Menge gibt.

Der Sonnenuntergang an unserem Übernachtungsplatz.


Wer mehr zum typischen Wetter in Neuseeland erfahren möchte, dem empfehle ich einen Beitrag von Daniel zum Klima in Neuseeland.

Bei WetterOnline habe ich ein Video zur Wetterscheide Neuseelands online gestellt. Die Wettergegensätze sind wirklich enorm hier.

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