Der trockenste Ort der Erde

Die Wüste Atacama
Die Wüste Atacama ist die trockenste Wüste der Welt.

Wo auf der Welt fällt am wenigsten Niederschlag? Haben wir uns in Vorbereitung auf die Wetterweltreise gefragt. Recht wahrscheinlich ist die Atacama Wüste die trockenste Region der Erde. Der trockenste Ort wird irgendwo in Chile in Küstennähe liegen. Doch welcher Ort ist es genau? Das sagt die WMO (World Meteorological Organization) zu Regenrekorden.

Das sagt die WMO:
Längste Periode ohne Niederschlag
Arica/Chile Oktober 1903 bis Januar 1918 172 Monate

Mehr als 14 Jahre hat es nach dem Datensatz der WMO also in der Stadt Arica im äußersten Norden Chiles gar nicht geregnet. Der Zeitraum von 1903-1918 ist aber ziemlich lange her, weitere aktuellere Angaben findet man bei der WMO nicht. Interessant wäre zum Beispiel die Messstation, die nach einem aktuellen Klimamittel den wenigsten Niederschlag verzeichnet. Also haben wir uns auf die Suche gemacht.

In vielen Ländern gibt es ähnlich wie bei uns mehrere Messnetze, die Niederschlagsdaten sammeln. In Chile ist das der staatliche Wetterdienst – Dirección Meteorológica de Chile (DMC)- sowie das Ministerium für Wasserwirtschaft –Dirección General de Aguas (DGA). Danke an beide Behörden für die Mithilfe bei der Recherche. Hier die Ergebnisse:

Aufsummierter Niederschlag von 1981-2010
Quillagua 6,3 mm (DGA)
Iquique 29,8 mm (DMC)
Arica 48 mm (DMC)

Durchschnittlicher Jahresniederschlag von 1981-2010
Quillagua 0,21 mm (DGA)
Iquique 0,99 mm (DMC)
Arica 1,6 mm (DMC)

Man muss sich das mal vorstellen, nur 0,21 Liter pro Quadratmeter fallen in Quillagua in einem ganzen Jahr. In Berlin fallen knapp 600, in München knapp 1000 Liter pro Jahr.

Eine weitere potenziell trockenste Station ist Huara, von 1993 bis 2010 wurden nur 4,8 mm auf den Quadratmeter registriert. Das sind auch nur 0,28 mm pro Jahr. Vorher gab es dort noch keine Messungen.

Quillagua/Chile – Der trockenste Ort der Erde

quillaqua
Quillagua im Norden Chiles. Bild: Paurba72

Die Wetterstation Quillagua wird von der Dirección General de Aguas betrieben. Von 1981 bis 2010 fielen nur 6,3 Liter auf den Quadratmeter. Bemerkenswert ist, dass sich die Regensumme nur auf 6 Einzelereignisse verteilt. Nur im Januar 2001 sind einmal mehr als 1 Liter auf den Quadratmeter gefallen. In den Jahren ab 2010 hat es übrigens in Quillaqua ähnlich wie in anderen Regionen der Atacama etwas häufiger geregnet, allein im Jahr 2015 fielen 4,4 Liter auf den Quadratmeter. Ursache war das Klimaphänomen El Niño . (El Niño wird hier bei WetterOnline erklärt)

Jahr JAN FEB MRZ APR MAI JUN JUL AUG SEP OKT NOV DEZ Jahr
1981 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
1982 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
1983 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
1984 0 0 0 0 0 0 0,4 0 0 0 0,2 0 0,6
1985 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
1986 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
1987 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
1988 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
1989 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
1990 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
1991 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
1992 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0 0 1
1993 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
1994 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
1995 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
1996 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
1997 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
1998 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
1999 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
2000 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
2001 3 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 3
2002 0 0 0 0 0 0 0,2 0 0 0 0 0 0,2
2003 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
2004 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
2005 1 0 0 0,5 0 0 0 0 0 0 0 0 1,5
2006 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
2007 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
2008 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
2009 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
2010 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Summe 4 0 0 0,5 1 0 0,6 0 0 0 0,2 0 6,3

Die Klimatabelle von Quillaqua für die Jahre 1980-2010. Angabe in Millimeter.
Quelle Dirección General de Aguas/Chile

Der Ort Quillaqua ist eine kleine Oasen-Ansiedlung am Rio Loa im Norden Chiles. Die Einwohner haben früher das Trinkwasser aus dem Fluss geholt. Dieser ist jedoch aufgrund von Kontaminationen durch die Bergbauindustrie verseucht, mittlerweile wird der Ort mit Tankwagen versorgt, 90 Prozent der Menschen sind ausgewandert, etwa 100 Menschen leben noch im Ort. Auf unserer Wetterweltreise wollen wir den Ort besuchen.

Warum ist die Atacama so trocken?

Warum ist die Atacama so trocken?
Die Gründe für die Trockenheit: 1) Regenschatten der Anden 2) Subtropischer Hochdruckgürtel 3) Kühler Humboldtstrom im Pazifik

Die Atacama ist aus mehreren Gründen die trockenste Wüste:

  1. Sie liegt im Regenschatten der Anden. Die vorherrschenden Südostpassate drücken die feuchte Luft vom Atlantik auf die Ostseite der Anden. Dort regnen sie ab. Auf der Westseite der Berge, in der Atacama, kommt nichts mehr an.
  2. Die Wüste befindet sich wie die meisten Wüsten auf der Erde im sogenannten subtropischen Hochdruckgürtel. Dies ist eine Zone von Hochdruckgebieten, die sich zwischen etwa 25° und 35° nördlicher und südlicher Breite um den gesamten Globus erstreckt. Auch das Azorenhoch gehört dazu. Im Hoch sinkt, die Luft ab, erwärmt sich dabei und lässt jedwede Feuchte verdunsten.   
  3. Auf der Westseite liegt der Pazifik mit seinem kühlen Humboldtstrom. Sobald warme feuchte Luft heraufzieht, kühlt diese bereits über dem Meer ab und kondensiert. Der berüchtigte Küstennebel bildet sich, der ab und zu das Festland erreicht. Die Bildung von Tiefdruckgebieten wird durch die kühle Meeresströmung aber unterbunden.

In manchen Regionen wird der Ksütennebel mit sogenannten Nebelfängern eingefangen und zur Bewässerung genutzt. Wir werden auf der Wetterweltreise einen solchen besuchen. Mehr Niederschlag fällt in der Atacama einzig in El-Nino Jahren, wenn die oberflächennahe Meerestemperatur ansteigt.

Weitere sehr trockene Orte der Erde

Antarktische Trockentäler

Ebenfalls sehr trocken sind die antarktischen Trockentäler. So bezeichnet man mehrere eisfreie Täler auf dem Kontinent.  Die umliegenden hohen Berge blockieren Winde vom Meer, so dass noch nicht einmal Eis mit Winden dorthin gelangt.

Dieses mithilfe von Satelliten ermittelte Bild zeigt die eisfreien Trockentäler in der Antarktis. Bild: NASA/earthobservatory

Die Berge sorgen ebenfalls für starke Fallwinde, dabei erwärmt sich die Luft und trocknet aus (ähnlich wie unsere Föhnwinde). Die Bedingungen ähneln denen auf dem Mars am ehesten, sodass die NASA forscht. Mit den Niederschlagsmessungen dort hat man aber erst in den vergangenen Jahren begonnen.

Al-Kufrah/Libyen – Trockenster Ort in Afrika

Ebenfalls sehr trocken ist die Sahara. Im wohl trockensten Ort Afrikas in Al-Kufrah in Libyen werden nur 0,86 Liter pro Jahr gemessen. Der Ort existiert nur aufgrund von unterirdischen Quellen.   Von der ISS aus sieht man neben den Ort die runden durch Bewässerung existierenden Felder.

Al-Kufrah/Libyen
Grüne Kreise mitten in der Wüste in Al-Kufrah zeigen die bewässerten Felder. Bild: NASA earthobservatory

Wie immer gilt: Falls ihr Anmerkungen oder Ergänzungen habt, einfach per Email an info@traveltheweather.com schreiben oder unten kommentieren. Dankeschön!

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