Das Klima in Patagonien

Patagonien
Das Klima in Patagonien: Unbeständig und windig. Bild: John Weinhardt via Unsplash

Patagonien ist eine Landschaft im Süden von Argentinien und Chile. Wir zeigen hier das Klima für Südpatagonien, vor allem für die Nationalparks Torres del Paine, Los Glaciares und Feuerland mit den Orten El Calafate, EL Chalten und Ushuaia.

Die Nationalparks erstrecken sich von etwa 49° bis 54° südlicher Breite, das entspricht auf der Nordhalbkugel einem Gebiet von Hamburg bis Stuttgart. Man könnte denken, dass Klima ist ähnlich zu dem Klima Mitteleuropas, doch das ist nicht der Fall.

Die Jahreszeiten in Patagonien

Typisch für Patagonien ist das dauerhaft unbeständige und windige Wetter mit einem schnellen Wechsel von Sonne und kräftigen Schauern. Das erschwert eine Wettervorhersage dort enorm!

Good weather does happen in Patagonia, it just doesn’t happen very often

Jahreszeit Zeitraum TX (Mittel) TX (Rekord) TN (Mittel) TN (Rekord) Niederschlag Wind
Frühling Sept-Nov 10 bis 15 °C 25 °C 0 bis 5 °C -10 °C Regen und Schnee wird kräftiger
Sommer Dez-März 15 bis 20 °C 30 °C ~5 °C -5 °C Regen am kräftigsten
Herbst März-Mai 10 bis 15 °C 25 °C 0 bis 5 °C -12 °C Regen und Schnee Winde lassen nach
Winter Jun-Sept ~5 °C 20 °C 0 bis -5 °C -15 °C Schnee am schwächsten

Die Angaben sind ungefähre Angaben und richten sich nach den Wetterstationen im Torres del Paine Nationalpark sowie El Calafate und Ushuaia. TX=Höchsttemperatur, TN=Tiefsttemperatur.

Die beste Reisezeit in Patagonien

Die beste, aber auch meist besuchte, Reisezeit ist der Sommer von Dezember bis Anfang März. In dieser Zeit ist es tagsüber angenehm warm. Nachts kann es aber empfindlich kalt werden, auch Frost ist möglich. Ähnlich wie in den anderen Jahreszeiten regnet es immer wieder, ein paar trockene Tage am Stück sind in Patagonien so gut wie unmöglich.

Nachteil im Sommer ist der kräftige Wind, der auf den Bergen oftmals Orkanstärke erreicht. Dann werden einzelne Wege gesperrt. Unser persönlicher Lieblingsmonat ist der März, wenn die Winde schon wieder etwas schwächer werden, die Temperaturen aber noch immer angenehm sind.

Klimadiagramm Torres del Paine

Klimadiagram Torre del Paine
Quelle: Dirección General de Aguas

Klimadiagramm Ushuaia (Feuerland)

Klimadiagram Ushuaia
Quelle: Wetterstation Ushuaia, Daten von 1961-1990

Klimadiagramm El Calafate (Perito Moreno Gletscher)

Klimadiagram El Calafate (Perito Moreno Gletscher)
Quelle: Wetterstation LAGO ARGENTINO AERO, Daten von 1961-1990

Patagonien: Sonne und Wind im Jahresgang

Quelle: Wetterstation LAGO ARGENTINO AERO, Daten von 1961-1990

Deutlich zu erkennen ist, dass der Wind (schwarze Linie) von Mai bis August deutlich schwächer weht als im dortigen Sommer. Die maximal möglichen Sonnenstunden (gelb) sind in etwa gleich verteilt. Von Mai bis August ist der Himmel einen Tick klarer. Dann sind die Tage aber auch deutlich kürzer.

Das Wetter in Patagonien

Im Wesentlichen wird das Klima von drei Faktoren beeinflusst:

  • Westwinde (westerlies): Dort viel stärker als bei uns
  • Anden: Als Wetterscheide mit Stau- und Föhneffekten
  • Antarktis: Als ganzjähriger Kältepol

Starke Westwinde in Patagonien

Patagonien befindet sich im Bereich der Westwindzone so wie wir in Mitteleuropa auch. Da es aber auf der Südhalbkugel im Gegensatz zu uns kaum Landmassen gibt, die die Winde bremsen, wehen diese viel stärker als bei uns. Regenwolken werden schnell übers Land geführt, daher auch der typische schnelle patagonische Wetterwechsel.

Die Westwindzone zwischen 40 und 50 Grad südlicher Breite wird daher auch als Roaring Forties (Donnernde Vierziger) bezeichnet. Der Westwind weht in Patagonien das ganze Jahr über kräftig, am kräftigsten ist er aber im dortigen Sommer (Dezember bis Anfang März).

Druckverteilung in Patagonien
Die Druckverteilung in Patagonien im Januar.

Dann entwickelt sich über Argentinien ein Hitzetief. Der Temperatur- und auch Luftdruckkontrast zwischen der eisbedeckten Antarktis und den aufgeheizten Landmassen ist besonders hoch. Die Winde wehen noch heftiger als sonst. Vor allem auf den Bergen in den Nationalparks sind dann Orkanböen bis 180 Kilometer pro Stunde möglich.

Die Anden als Wetterscheide Patagoniens

Die Grafik zeigt einen West-Ost Schnitt Patagoniens ungefähr auf Höhe des 50°-Breitengrads mit Angabe des Jahresniederschlags. Auf der Westseite der Kordilleren stauen sich die Regenwolken, auf der Ostseite des Hauptkamms lässt der Jahresniederschlag durch Föhneffekte nach.

Ähnlich wie bei den Alpen bilden in Patagonien die Anden (Kordilleren) auch eine Wetterscheide. Die Westwinde stauen die Wolken an der Westseite der Kordilleren. Dort regnet es an 300 bis 320 Tagen pro Jahr. Damit gibt es dort so viele Regentage wie sonst nur in den Tropen.  

Die mit 7330 mm Niederschlag im Jahr niederschlagsreichste Wetterstation liegt auf der Insel Guarello ganz im Westen. Der Niederschlag im Bereich des Hauptkamms wird mit bis zu 10.000 Liter pro Jahr errechnet. Dort gibt es aufgrund der Orkanwinde keine Wetterstation.  

Auf der windabgewandten Seite im Lee der Berge nimmt der Jahresniederschlag ab. Im Bereich des Nationalparks Torres del Paine sind es noch etwa 700 Liter, in El Calafate hingegen nur 200 Liter pro Quadratmeter. Dies setzt sich bis zur Küste Argentiniens fort.

Der Einfluss der Berge prägt auch das Mikroklima. So unterscheidet sich das Wetter selbst im Nationalpark Torres del Paine je nach Bergseite enorm. Auf der windzugewandten Seite regen die Regenwolken ab, man sie einen richtigen Regenschatten. Auf der anderen Seite des Berges fällt die Luft durch Föhneffekte ab, man sieht die typischen linsenförmigen Föhnwolken. Durch Kanalisierung des Windes auf den Bergen weht der Wind dort besonders heftig.

Antarktis als Kältepol Patagoniens

Aufgrund der Nähe zur Antarktis ist es in Patagonien ganzjährig kühl. Dabei kommt die kühle Luft aufgrund der vorherrschenden Westwinde nur selten direkt von der Antarktis, sondern von Westen über den Pazifik nach Patagonien. Aufgrund des kühlen Humboltstroms hat das Meer dort aber kaum einen wärmenden Effekt.

Bei seltenen Wetterlagen wird die Luft über die Drake Passage direkt aus der Antarktis transportiert. Aufgrund dieser immer wieder möglichen Kaltlufteinbrüche kann es in Patagonien auch das ganze Jahr über Frost geben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.